Erfahrungsbericht zur Magento-Zertifizierung (Beta Exam)

Die Magento-Zertifizierung ist ein Multiple-Choice-Test,  der aber das Wissen eines Entwicklers sehr gut abprüft. (c) Alberto G. (albertogp123 bei flickr.com)Update 22.12.2011: ich habe erfahren, dass ich die Magento-Zertifizierung bestanden habe.

Bei der X.commerce Innovate Developer Conference 2011 habe ich ganz unverhofft die Chance bekommen, am Magento Certified Developer Exam (Beta Exam) teilzunehmen. Unverhofft deswegen, da ich bereits in Wien beschlossen hatte, die Zertifizierung noch nicht in San Francisco zu machen. Zu knapp davor war das Programm angekündigt worden und ich hatte keine Zeit, mich irgendwie darauf vorzubereiten.

Doch wie es das Schicksal so will, kommen Dinge manchmal anders als man glaubt. So saß ich am 12.10. nachmittags im Raum #2008 des Moscone Center. Ich weiß zwar noch nicht, ob ich die Prüfung bestanden habe, doch die Erfahrung war es auf jeden Fall schon einmal wert.

Am 2. November findet zum zweiten Mal das Beta Exam statt, diesmal in Berlin. Auf Twitter habe ich gesehen, dass eine ganze Menge an bekannten Magento-Entwicklern die Chance nutzt, um aus ganz Deutschland in die Hauptstadt zu pilgern und sich der Prüfung zu stellen. Erst mal: das finde ich echt toll! Es zeigt, wie sehnlich diese Zertifizierung erwartet wurde. (Im Mai habe ich mir übrigens erlaubt, eine solche Zertifizierung zu fordern.)

Tobias Vogt hat einen sehr guten Artikel mit Details zur Magento Entwickler Zertifizierung geschrieben, aber ich dachte mir: vielleicht können dem einen oder anderen Infos eines Prüflings helfen, sich besser auf den 2. November vorzubereiten – auch auf die Gefahr hin, dass ihr den Schnitt so hebt, dass ich aus dem Raster fliege. 😉

Randbedingungen

Die Prüfung wird auf einem speziell vorbereiteten Rechner durchgeführt. Man darf keine Unterlagen und kein Internet verwenden; nur das Prüfungsprogramm ist geöffnet.

Zwei Prüfungen stehen zur Auswahl. Jene für den Magento Certified Developer umfasst 80 Fragen zur Community Edition und dauerte in den USA 2 Stunden. Wer Magento Certified Developer Plus werden will, musste in 2,5 Stunden 100 Fragen zu Community Edition und Enterprise Edition beantworten. Da sich meine Erfahrung auf die CE beschränkt, wählte ich das Standard-Exam.

Der Test besteht ausschließlich aus Multiple-Choice-Fragen. Es können eine oder mehrere Antworten richtig sein. Wie viele davon stimmen, wird stets angegeben. Die Anzahl der falschen Möglichkeiten bleibt gleich, das heißt bei einer richtigen Antwort gibt es vier Antwortmöglichkeiten, bei vier richtigen Antworten können sieben Antwortmöglichkeiten auftauchen. Eine Antwort wird nur als korrekt gewertet, wenn alle richtigen Punkte ausgewählt sind.

2 Stunden reichen aus, um alle Fragen doppelt durch zu gehen. Hier ist praktisch, dass man sich Fragen markieren kann: ist man sich der Antwort nicht sicher, setzt man die „Review“-Checkbox und widmet sich der Aufgabenstellung später noch einmal.

Die Fragen

Die Prüfung umfasst wie in der Self-Assessment-Checklist angegeben verschiedenste Teilbereiche von Magento. Ich weiß nicht, wie groß der Fragenpool für das Beta-Exam ist, aber ich bekam zum Beispiel viele Fragen zu EAV, API, Bestellungen, Rechnungen, Bezahlungsmethoden, Backend-Erweiterungen und Basics.

Der Schwierigkeitsgrad geht in Ordnung: die Prüfung ist nicht leicht, doch die Fragen sind nicht unfair oder zu schwer, um bestehen zu können. Man muss einige Zeit mit den entsprechenden Bereichen gearbeitet oder sich gut theoretisch vorbereitet haben, um hohe Punktzahlen zu erzielen. Bei den Advanced Features zum Beispiel ging es mir gut, weil ich viel mit der API gearbeitet habe.

Mit Quotes hingegeen habe ich mich bisher kaum beschäftigt, weil Rechnungslegung etc. bei unseren Kunden in der Regel im ERP-System erfolgen. Da habe ich kräftig eingebüßt. Das gleiche gilt für eigene EAV-Strukturen: wo möglich verzichten wir darauf. Daher ist das Ergebnis nicht so toll ausgefallen.

Allgemeine Erfahrung mit dem Magento-System reicht nicht aus, um fehlendes Wissen in Teilbereichen wettzumachen, meine ich. Man kann durch logisches Denken und genaues Lesen manchmal ein paar Antworten ausschließen. So auf die eine korrekte Antwort zu kommen, dürfte aber nur selten möglich sein. Für eine Zertifizierung meiner Ansicht nach auch sinnvoll. Bei einer oder zwei Fragen tat ich mir schwer, die richtige Antwort zu finden, weil mir die Formulierung nicht ganz verständlich war. Insgesamt kommt man aber mit durchschnittlichem Englisch gut zurecht.

Ein Stolperstein: wenn man wie ich dazu neigt, bei der Anpassung von Magento möglichst viel zu automatisieren, fragt man sich bei der einen oder anderen Frage schon einmal, wie denn nun die Klasse oder XML-Node genau heißt. Mit der Zeit neigt man da unter Umständen zu einer gewissen Betriebsblindheit, weswegen man sich die üblichen Klassennamen und den Aufbau der Config-Dateien noch einmal zu Gemüte führen sollte.

Fazit

Kurz zusammengefasst meine Tipps, wenn man keine Zeit für eine ausgiebige Vorbereitung hat:

  • Bereiche, mit denen man häufig arbeitet, nur oberflächlich ansehen. Hier kann man unvorbereitet durchaus auf 80  Prozent oder mehr kommen.
  • Bereiche, mit denen man nichts oder wenig zu tun hat, auf jeden Fall gut ansehen. Sonst lässt man Federn.
  • Zusammenhänge zwischen Bestellungen und Rechnungen (auch unter Berücksichtigung der verschiedenen Produkttypen) verstehen.
  • Damit beschäftigen, was für eigene Zahlungs- oder Versandmethoden notwendig ist, wie man eigene Backend-Bereiche und EAV-Strukturen erstellt.
  • Bewusst die Struktur von XML-Config-Dateien und die Namen zentraler, häufig genutzter Magento-Klassen und -Methoden lesen.

Da einem die Zertifizierung nicht zu leicht gemacht werden soll, rechne ich nicht damit, die Prüfung bestanden zu haben. Hier bringe ich noch einmal an: das halte ich für eine Zertifizierung auch gerechtfertigt, denn da muss nicht jeder aus dem Stand durchkommen. Warten wir ab. Freuen würde ich mich natürlich darüber. Ihr könnt ja ein oder zwei falsche Antworten einstreuen, damit der Test nicht gar so happig wird. 😉

 

7 Antworten

  1. Daniel Lang sagt:

    …, rechne ich nicht damit, die Prüfung bestanden zu haben. …

    Ähm, wie bitte?
    Ich zweilfe ja generell an der Sinnhaftigkeit und am Wesen einer Zertifizierung für OSS selbst, aber wenn’s dann schon eine gibt, dann solltest zumindest du diese doch auch ohne Vorbereitrung schaffen. Ansonsten geht die Zertifizierung ja einfach nur an der Praxis vorbei.

  2. Hallo Matthias,

    vorab danke ich dir sehr für die Informationen, die du uns hier zur Verfügung stellst. Dein Erfahrungsaustausch hat mich dazu bewogen die nächste Test- Reihe abzuwarten und die Resonanz aus Berlin mitzunehmen.

    Ein Test ist immer gut um zu erfahren wie standfest Mann auf einem Gebiet ist. Hier reden wir auch nicht um die 150 Dollar Testgebühr.

    Ich jedoch glaube, dass eine Zertifizierung nicht viel über die Qualität der Arbeitsweise eines (Magento) Entwicklers aussagt. Hier sollte der Auftraggeber selbst entscheiden, bzw. würde es nach Erledigung des Auftrags selbst erfahren wie gut und gewissenhaft sein Entwickler (Team) gearbeitet hat.

    An dieser Stelle gebe ich Daniel Recht, eine Zertifizierung rund um OSS ist nicht Aussagekräftig genug und sollte nicht Über eine Auftragsvergabe entscheiden.
    Hier sollte eher eine Zertifizierung auf ein abgeschlossenes Projekt vergeben werden, wo die Auftraggeber befragt werden und Ihre Note abgeben können.

  3. Hallo,
    das sehe ich ein wenig anders:
    – eine Zertifizierung soll für Kunden, Kooperationspartner, Arbeitgeber usw. erkennbar machen, ob jemand ein Experte auf diesem Gebiet ist. Das ist sowohl für Open-Source als auch für Closed-Source sinnvoll.
    – für Zertifizierungen sollte man sich (wie auch für andere Titel/Auszeichnungen) schon ein wenig anstrengen müssen. Ich weiß von ein paar Microsoft-Partnerprogramm-Prüfungen, die nur alibi-haft umgesetzt sind, aber Normalzustand sollte das nicht sein. 🙂

    Ich gebe euch auf jeden Fall Recht, dass die Zertifizierung nicht zwangsläufig über die Angebotsvergabe entscheiden sollte. Ob das Projekt gekonnt umsetzt wurde (on time/quality/budget) bzw. ob die Wünsche des Kunden erfüllt wurden, das kann man aus einem solchen Zertifikat nicht herauslesen. Wenn überhaupt geht das mit einem Zertifikat, wie es webdesigndu.de beschreibt.

    Dennoch bin ich der Meinung: jemand, der ein Zertifikat hat, ist in der Regel tiefer in der Materie drin bzw. engagiert sich stärker dafür. Ausnahmen wird’s natürlich immer geben. Wer gut ist, verschafft sich auch ohne offizielles Dokument Respekt bzw. einen Ruf – es ist aber nie schlecht, das formal bestätigt zu haben.

  1. 31.10.2011
  2. 04.11.2011

    […] uns überlegt, dass wir ein paar wenige Punkte regelmäßiger für unsere Leser zusammenfassen.» Erfahrungsbericht zur Magento-Zertifizierung (Beta Exam)Es ist nicht nur ein Magento Führerschein – es ist viel mehr als das! Matthias hat an einer […]

  3. 22.12.2011

    […] Oktober bei der X.Commerce Innovate Developer Conference 2011 in absolviert (siehe mein Erfahrungsbericht dazu).Das Zertifikat wird per Post in den nächsten vier bis sechs Wochen übermittelt. Für die […]

  4. 09.04.2012

    […] einige offene Fragen hatte, die sich erst im Laufe der Tage geklärt hatten. Außerdem hat mir der Erfahrungsbericht von Matthias Zeis zum Beta Exam sehr gut gefallen, weshalb ich auch meine Erfahrung mitteilen […]