Magento 2 (Mage2): die eierlegende Wollmilchsau?

Magento Inc, das bald zur Gänze eBay gehört, hat auf der Konferenz Magento Developers Paradise die ersten offiziellen Informationen zu Magento 2 herausgegeben. Ich kann leider nicht bei dem Treffen auf Ibiza dabei sein, doch dank vieler Twitter-User (siehe unten) wurde so einiges darüber bekannt, was das Unternehmen für den Nachfolger der populären eCommerce-Plattform plant. Magento hat sich da eine Menge vorgenommen – die Feature-Liste klingt wie ein „wünsch dir was“ der Entwicklergemeinde. Hoffen wir, dass die Ziele eingehalten werden können und Magento 2 in ähnlicher Form wie die aktuelle Version verfügbar sein wird.

Folgende Fakten und Ankündigungen wurden gewittert:

  • Magento 2 erscheint Mitte bis Ende 2012.
  • Auf PHP-Seite kommen PHP 5.3 und Zend Framework 1.x zum Einsatz.
  • prototypeJS wird durch jQuery abgelöst.
  • Auf Datenbankebene werden MySQL, Oracle, MSSQL und PostgreSQL unterstützt.
  • Die Dateistruktur wird vereinfacht.
  • Es handelt sich nicht um eine komplett neu geschriebene, sondern refaktorierte Codebasis.
  • Versprochen wird eine stark ausgebaute Dokumentation.
  • Anpassungen des Shops sowie der Einstieg in die Entwicklung sollen erleichtert werden.
  • Ein GUI-Design-Editor wurde angekündigt.
  • Magento 2 besitzt keine Abwärtskompatibilität zu Magento 1.x. Es wird jedoch in der Dokumentation eine Anleitung für die Migration von Magento 1.x zu 2.x bereit gestellt.
  • Um Upgrades zu testen, kann der Shop automatisch kopiert/dupliziert und in einem Vorschaumodus getestet werden. Man kann bestätigen, dass man tatsächlich upgraden möchte. Die letzte Version des Shops kann wiederhergestellt werden.
  • Das Shopsystem wird durch automatisierte Unit-Tests, Integrations-/Funktionalitätstests (mittels Selenium) sowie Performancetests eingehend überprüft.
  • Auch die Schnittstelle soll stark ausgebaut werden: die Web-API bietet neben SOAP und XML-RPC künftig zudem JSON-RPC und REST.
  • Alle Daten werden serverseitig validiert (Umsetzung von Schutzmaßnahmen für die 10 größten Sicherheitsrisiken laut OWASP).
  • Die Performance des Shops soll mit Magento 2 um 20% gesteigert werden.
  • Unter anderem kommt eine Class-Map zum Einsatz, um die Geschwindigkeit zu steigern und auf das Compiler-Modul verzichten zu können.
  • Die Konfiguration wird schlanker.
  • EAV wird nach Wahl eingesetzt (ist noch nicht fixiert).
  • Es gibt mehrfache Fallback-Themes.
  • Die Unterstützung für vielsprachige Shops wird verbessert, so dass auch viele Shops mit derselben Sprache einfacher betrieben werden können.
  • Es wird keine magischen Getter- und Setter-Methoden geben. Dadurch ist aus dem Interface / der Model-Definition klar ersichtlich, welche Attribute und Methoden verfügbar sind.
  • Die komplette Produktpalette von Atlassian, die zum Einsatz kommt, wird öffentlich verfügbar gemacht (Bug-Tracker etc.).
  • Die neue Version von Magento wird (eventuell?) darauf vorbereitet, mit Doctrine zusammenzuarbeiten.
  • Alle Dateien eines Moduls (einer Extension) werden unterhalb eines Verzeichnisses zu finden sein.
  • Bei der Installation einer Extension wird gewarnt, falls Konflikte beim Überschreiben/Rewriten von Klassen auftreten. Es soll Tipps geben, wie diese Probleme gelöst werden. Es soll konfigurierbare Vererbungsketten geben und zusammengehörige Extensions sollen in Komponenten zusammengefasst werden können, um die Handhabung von Abhängigkeiten zu erleichtern.

Vielen Dank an alle, die uns so fleißig informieren! Namentlich habe ich die Informationen von: @andk, @avstudnitz, @dimitri_g, @interactiv4, @kasn, @nickj89@vianetz und @YoavMagento.

14 Antworten

  1. Mike sagt:

    Hört sich spannend an. Werd mich dann bei Erscheinen auf jeden Fall nochmal mit der neuen Version beschäftigen – mit der 1.4.0.1 bin ich ja halb wahnsinnig geworden 😛

  2. Daniel Lang sagt:

    Als Schnittstellen- und Datenbankentwickler stört mich massiv, dass man scheinbar noch immer an relationalen Datenbanken und EAV im Speziellen festhält anstelle den Großen (Amazon, Facebook, Twitter, Ebay, etc.) zu folgen und endlich auf ein dokumentenorientiertes Datenbanksystem umstellt – Performance würde sich um ein vielfaches steigern und Updates und Erweiterungen wären viel einfacher…

    Super finde ich jQuery und die RESTful-API (diesmal hoffentlich besser dokumentiert)

    • Soweit ich herausgehört habe, soll mit Magento 2 weniger EAV eingesetzt werden. Wirklich nötig finde ich es auch nicht – schließlich bietet Magento selbst bereits die Voraussetzung, mit den Setup-Klassen stinknormal Tabellenspalten hinzuzufügen und das reicht in den meisten Fällen allemal.
      Gegen relationale Datenbanksysteme habe ich nichts einzuwenden. Dokumentenorientierte Systeme sind spannend, aber man muss aufpassen, dass man sich nicht einen ganzen Sack neuer Probleme aufmacht (Stichwort Konsistenz, Transaktionen bzw. ACID im Allgemeinen).

  3. Daniel Lang sagt:

    Natürlich hat man bei Dokumenten-Datenbanken kein ACID mehr. Aber wer braucht das bei einem Webshop schon wirklich? Auch bei Magento habe ich durch performanceoptimierte Verwendung der Indices am Frontend keine Integrität mehr gewährleistet. Bei Amazon sieht man IMO ganz gut, dass sich NoSQL-Datenbanken wunderbar für Webshops eignen und praktisch unendlich skalieren…

    Vielleicht finden sich ja Mal ein paar Leute, die Lust hätten ein offenes Shop-System auf Basis eines NoSQL-Ansatzes zu bauen… fände ich spannend.

    • Vielleicht bin ich übervorsichtig, aber gerade bei Anwendungen, die mit Geldtransaktionen zu tun haben, stehe ich auf Datenintegrität und niedrige Fehlertoleranz (selbst wenn die Zahlungsabwicklung extern erfolgt).
      Wenn du eine performante NoSQL-Shopsoftware aufziehst, teste ich sie aber gerne eingehend. 😉

  4. Alexander sagt:

    An Magento 2 scheinen die aktiv zu arbeiten. Man sieht jeden Tag Änderungen im github.

    Für mich wären wirklich Punkte wie Performance, verbesserte Multilanguage Funktion und jQuery wichtig.

    Drupal bietet eine richtig gute Multilanguage Lösung an. Vielleicht können die sich das von der Logik her abschauen. Auch die Oberflächenübersetzung bei Drupal 7 ist genial gelöst.

  5. Tom sagt:

    bin schon gespannt, wann es denn endlich ein release date gibt und ob man mage2 dann auch bald mal risikoarm produktiv einsetzen kann. Wird es noch Q4/2012 werden?

    • Das wird sich wohl nicht ausgehen.

    • Alexander sagt:

      Ich glaube, es könnte noch Ende 2012 vielleicht etwas werden. Ich denke mal wirklich brauchbar wird es erst Anfang 2013 sein, aber dann muss auch noch die Community nachziehen mit ihren Extensions und das kann auch noch ein paar Monate dauern bis gängige und bekannte Extension angepasst sind.

  1. 10.06.2011

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  3. 13.02.2012

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