Warum ich vom Magento-Solution-Partner-Programm nicht viel halte

Magento Inc. hat vor einiger Zeit ein neues Partner-Programm eingeführt. Als ich von den Plänen las, freute ich mich, denn das alte Programm ließ einiges zu wünschen übrig, wie Guido Jansen anschaulich beschrieben hat. Damals hieß es (wenn auch nur inoffiziell), dass Agenturen und Magento-Servicedienstleister Mitarbeiter zu Schulungen schicken können und entsprechend mit verschiedenen Partnerstufen ausgezeichnet werden.

Diese Aussage ist zwar nicht falsch, aber leider wird beim Partnerlevel das Hauptaugenmerk nicht auf Kompetenz gelegt. Sehen wir uns an, wodurch sich ein Magento-Gold-Partner, Magento-Silver-Partner oder Magento-Bronze-Partner auszeichnet.

Kriterien für Gold-, Silber- und Bronze-Partner-Level

Das offizielle Dokument zum Partner-Programm (PDF) listet folgende Anforderungen an Magento-Partner auf:

(c) magentocommerce.com. Ausschnitt aus den Anforderungen für Magento-Solution-Partner.

  • Partner Program Fee: damit ein Dienstleister Chancen auf den Gold-Partner-Titel hat, muss er eine jährliche Gebühr von 10.000 Dollar überweisen. Silber-Partner müssen 5.000 Dollar entrichten und Bronze-Partner immerhin 2.000 Dollar.
  • Partner Revenue Commitment: Gold- und Silberpartner verpflichten sich dazu, für Magento Inc. Einkünfte in Höhe von 100.000 bzw. 50.000 Dollar pro Jahr in Form von Lizenzverkäufen oder Service-Dienstleistungen zu erwirtschaften. Bronze-Partner haben hier keine Vorgabe.
  • Magento Product Focus: Gold-Partner sollen (beinahe) ausschießlich die Enterprise-Edition einsetzen, für die der Shopbetreiber 12.990 Dollar pro Jahr zahlt. Silber-Partner können die Enterprise-Edition oder die Professional-Edition einsetzen (ab 2.995 Dollar jährlich). Bei Bronze-Partner reicht es, wenn der Fokus auf die Professional- und die Community-Edition gelegt wird. Hinweis: Gold- und Silberpartner erhalten die Lizenz billiger. Falls die Ersparnis an den Kunden weitergegeben wird, erspart sich der Shopbetreiber etwas.
  • Technical Competency & Sales Competency: wie bereits angesprochen wird nun auch die Schulung von Mitarbeitern mit einbezogen. Ein Gold-Partner muss 4 Mitarbeiter zu einem technischen Kurs von Magento Inc. geschickt haben und 2 Mitarbeiter müssen ein Verkaufstraining absolviert haben (bzw. Einheiten, bei denen es um domänenspezifische Kenntnisse und nicht um die technische Ausbildung geht). Silver-Partner haben zwei technische Kurse und einen im Verkauf abgeschlossen. Bronze-Partner müssen keine Kurse besuchen.
  • Joint Demand Generation: hierzu konnte ich keine näheren Informationen finden. Meiner Kenntnis von „Joint Demand Generation“ nach bedeutet dieser Punkt, dass Gold-Partner 3-mal pro Jahr gemeinsam mit Magento Werbung für das Produkt machen und versuchen, Neukunden zu akquirieren. Falls das falsch ist, berichtigt mich bitte in den Kommentaren. Silber-Partner treten hier einmal pro Jahr für das Shopsystem ein. Bronze-Partner sind davon befreit.

Für mich heißt das: der Titel „Magento-Solution-Partner“ kennzeichnet primär Agenturen und Anbieter, die Magento Inc. wesentliche Umsätze verschaffen. Unser aller Lieblingsshop-Hersteller ist nicht die Wohlfahrt und daher ist es durchaus legitim, solche Kriterien für die Auszeichnung als Magento-Partner heranzuziehen. Für den zukünftigen Shopbetreiber ist das aber irreführend, da es keine anderen Zertifizierungen gibt, um die Qualifikation eines Magento-Servicedienstleisters festzustellen.

Soll das heißen, dass Magento-Solution-Partner schlecht sind?

In aller Deutlichkeit: NEIN, das behaupte ich in keinster Weise. Ein Unternehmen (ein Freelancer wird das kaum bewerkstelligen können), welches 10.000 Dollar pro Jahr für diesen Titel investiert und pro Jahr zumindest 100.000 Dollar an Lizenz- und Service-Leistungen an Magento vermittelt, hat zweifelsohne viele große Shops laufen und kann somit auf reichhaltige Erfahrungen mit dem Open-Source-System verweisen. Zumindest 4 Mitarbeiter haben einen Kurs von Magento Inc. durchlaufen (es könnten ja 2 Angestellte beide Trainings gemacht haben) und auch sonst steckt hier sicher eine Menge Manpower dahinter. Auch Silber-Partner lassen auf starke Aktivität im Magento-Umfeld schließen und Bronze-Partner bringen zumindest 2.000 Dollar jährlich auf, um mit von der Partie zu sein. Auch da kann man ein gewisses Engagement vermuten.

Soll das heißen, dass Nicht-Magento-Solution-Partner schlecht sind?

Auch hier in aller Deutlichkeit: NEIN. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass eine Kennzeichnung als Solution-Partner nicht automatisch gleichzusetzen mit besserer Qualität ist. Für den Außenstehenden (sprich: den potentiellen Kunden von Webagenturen und Freelancern, die Magento-Dienstleistungen anbieten) sieht es aber so aus, als ob diese Partner zu bevorzugen wären.

Eine Frage: wir konnten bisher alle Wünsche unserer Kunden mit der Community Edition umsetzen. Ich möchte mir nicht herausnehmen, in ihrem Namen zu sprechen, aber meinem Eindruck nach sind sie mit unseren Magento-Shops zufrieden. Macht es uns zu einem schlechteren Anbieter, wenn wir unserem Kunden im bald beginnenden 3. Onlineshopjahr ca. 35.000 Dollar* an Lizenzkosten erspart haben? Ich glaube nein. Die Professional- und die Enterprise-Edition haben sicher ihre Daseinsberechtigung, aber wir setzen diese Versionen nur ein, wenn es nötig ist – und nicht, um uns edle Plaketten anheften zu können.

* 35.000 Dollar übrigens deswegen, weil die Lizenzkosten inzwischen gestiegen sind.

Mein Wunsch: offizielle Magento-Zertifizierungen

Zugleich heißt das aber nicht, dass wir die besten Shops machen. Gold-Partner leisten tolle Arbeit und Gold-Partner leisten schlechte Arbeit,  Nicht-Solution-Partner leisten tolle Arbeit und genauso auch schlechte Arbeit. Doch wie soll der zukünftige Onlinehändler nun wissen, woran er sich orientieren kann?

Mein Vorschlag: offizielle Magento-Zertifizierungen, welche das Können von einzelnen Mitarbeitern oder ganzen Unternehmen beurteilen. Solche Zertifizierungen bedeuten Aufwand für Magento Inc. und dürfen dementsprechend auch etwas kosten, aber ich plädiere für Auszeichnungen, die unabhängig von irgendwelchen Erträgen und Zahlungen für Magento Inc. definiert werden. Wenn sich Magento als ernstzunehmende Plattform etablieren möchte, muss das möglich sein.

So wie ein Betrieb zumindest auf gewisse Qualifikationen vertrauen kann, wenn es auf der Suche nach EDV-Dienstleistern auf Microsoft-, SAP- oder anderen Zertifizierungen stößt, so sollte es auch möglich sein, bei Magento-Anbietern qualitative Eckpunkte festzumachen und entsprechend sichtbar zu machen. Was meint ihr?

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8 Antworten

  1. Tobias Vogt sagt:

    Ich hörte das Magento gerade an einer Zertifizierung vergleichbar zu Zend arbeitet. Leider ist das, damit es rechtssicher ist, ein sehr komplexer Prozess der wohl noch ein wenig dauern wird..

  2. Tobias Vogt sagt:

    Das es Schulungen gibt ist ja mit Magento U schon offiziell. Die richtige Zertifizierung pfeifen quasi die Spätzen von den Dächern 🙂

  3. schmidl sagt:

    bitte rückruf wg impl. magento shop in ebay amazon etc +43 676 34 00 797

    • Guten Tag Herr Schmidl!

      Wie ich erfahren habe, haben Sie sich bereits an unsere Agentur gewendet. Wir werden uns bei Ihnen melden.

  1. 22.12.2011

    […] erwartet wurde. (Im Mai habe ich mir übrigens erlaubt, eine solche Zertifizierung zu fordern.)Tobias Vogt hat einen sehr guten Artikel mit Details zur Magento Entwickler Zertifizierung […]

  2. 14.05.2014

    […] ich vom Magento-Solution-Partner-Programm nicht viel halte – Blogpost von Matthias Zeis. Aus diesem möchte ich noch einen Abschnitt […]

  3. 24.06.2014

    […] auslöst zeigt z.B. ein schon etwas älterer Blogpost von Matthias Zeis mit dem Titel “Warum ich vom Magento-Solution-Partner-Programm nicht viel halte.” Aus gegebenem Anlass haben die Magento Blogger von den magenticians Tim Bezhashvyly […]